Ergotherapie im Bereich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Ergotherapie kommt bei Kindern und Jugendlichen angefangen vom Säuglingsalter zum Einsatz, wenn sie in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind und damit eine Beeinträchtigung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Kindes und seiner Familie droht oder bereits besteht...

Da die Ergotherapie grundsätzlich klientenzentriert ausgerichtet ist, sind die folgenden Erläuterungen immer nur Beispiele. Für jeden einzelnen der jungen Patienten werden anhand der ärztlichen Diagnose und der ergotherapeutischen Anamnese (Befunderhebung) Wege der Intervention (Behandlung und Beratung, auch zur Prävention) verfolgt. Im Bereich der Pädiatrie ist der Einbezug der Angehörigen und Bezugspersonen in allen Fragen der Behandlung von höchster Bedeutung. Ziel ist immer die größtmögliche Förderung des Kindes, seiner altersgemäßen Entwicklung von Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit.

Wie bekomme ich die Ergotherapie?

Ergotherapie wird vom Arzt oder ab Januar 2021 auch von dem/der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/In (nur Bereich psychisch-funktionelle Ergotherapie) verordnet und ist ein anerkanntes Heilmittel.

Welche Behandlungsarten gibt es?

  • Motorisch- funktionell
  • Sensomotorisch- perzeptiv
  • Psychisch- funktionell
  • Hirnleistungstraining/neuropsychologisch orientiert

Motorisch-funktionelle Behandlung

Eine motorisch-funktionelle Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbedingter Störungen der motorischen Funktionen mit und ohne Beteiligung des peripheren Nervensystems und der daraus resultierenden Fähigkeitsstörungen.

Was bedeutet das?..

Grob gesagt geht es darum, die Beweglichkeit, Koordination sowie Grob- und Feinmotorik zu verbessern oder zu erhalten, um den Alltag so selbstständig wie möglich meistern zu können.

Die Ergotherapie umfasst hier insbesondere Maßnahmen zur Minderung und den Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster einerseits sowie den Aufbau beziehungsweise die Entwicklung und den Erhalt physiologischer Funktionen und Bewegungsabläufe andererseits. Dies wird durch eine stufenweise Entwicklung und Verbesserung der Grobmotorik (großräumige Bewegungen) und der Feinmotorik (Handgeschicklichkeit) angebahnt. Dabei spielt die Verbesserung der Koordination, der funktionellen Ausdauer, des Gleichgewichts und der Körperwahrnehmung eine große Rolle.

Psychisch-funktionelle Behandlung

Eine psychisch-funktionelle Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbedingter Störungen der psychosozialen und sozio-emotionalen Funktionen und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen von Aktivitäten und ggf. der Teilhabe. Insbesondere psychosoziale, emotionale, psychomotorische Funktionen und Funktionen der Wahrnehmung...

Sie umfasst insbesondere Maßnahmen zum/zur

  • Verbesserung und Stabilisierung der psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbstständigkeit in der Tagestrukturierung
  • Verbesserung eingeschränkter körperlicher Funktionen wie Grob- und Feinmotorik, Koordination und Körperwahrnehmung
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung
  • Verbesserung der Realitätsbezogenheit, der Eigen- und Fremdwahrnehmung
  • Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens, auch der sozioemotionalen Kompetenz und Interaktionsfähigkeit
  • Verbesserung der kognitiven Funktionen
  • Verbesserung der psychischen Stabilisierung und des Selbstvertrauens
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung und der Grundarbeitsfähigkeiten

Sensomotorisch-Perzeptiv

Eine sensomotorisch-perzeptive Störung bedeutet, dass eine Einschränkung im Bereich der Körperwahrnehmung besteht. Sensomotorisch heißt die Körpersinne betreffend und perzeptiv die Wahrnehmung betreffend.

Was wird in der Ergotherapie behandelt?..

insbesondere Maßnahmen zur/zum

  • Stabilisierung/Aufbau der Sensibilität verschiedener Modalitäten

a. Temperatur-, Druck- und Berührungsempfinden

b. Propriozeption (Tiefensensibilität)

c. Vibrationsempfinden

d. Stabilisierung/Aufbau der Sinneswahrnehmungen (visuelle, auditive, taktile Wahrnehmung)

e. Umsetzung von Sinneswahrnehmungen (sensorische Integration)

  • Entwicklung/Verbesserung der Körperwahrnehmung und des Körperschemas
  • Entwicklung/Verbesserung der Gleichgewichtsfunktionen und der Haltung
  • Entwicklung/Verbesserung der Sensomotorik
  • Aufbau/Stabilisierung aktiver Bewegungsfunktionen

a. Grob-/Feinmotorik

b. Willkürmotorik

  • Wiederherstellung /Verbesserung der Koordination
  • Entwicklung/ Verbesserung physiologischer Haltungs-und Bewegungsmuster

a. beim Greifen

b. beim Gehen

  • Bahnung physiologischer Bewegungen und koordinierter Bewegungsabläufe
  • Stabilisierung/Aufbau von Aktivitäten des Gemeinschafts- und sozialen Lebens

Hirnleistungstraining

Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten haben Schwierigkeiten ihre Aufmerksamkeit der Situation entsprechend zu steuern. Das bedeutet, dass sich das Kind einer Sache nicht zuwenden, dabei bleiben und Unwichtiges ausblenden kann. Konzentrationsschwierigkeiten beginnen häufig schon vor der Schulzeit und bleiben in der Regel bestehen. Dies erhöht das Risiko in der Schule zu scheitern...

Wie fällt das zum Beispiel auf? Typisches Verhalten von Kindern, die darauf hinweisen könnten:

  • schneller Wechsel von einer Aktivität zur anderen
  • es scheint nicht zuzuhören
  • Schwierigkeiten im Gruppenverhalten
  • es fällt ihm/ihr schwer sich an Regeln zu halten
  • ungeschickt beim basteln und malen
  • die Wahrnehmungsentwicklung ist eingeschränkt

Warum ist es so wichtig etwas zu tun?

Aus Konzentrationsschwierigkeiten entstehen über kurz oder lang Leistungsprobleme. Es geht aber nicht nur um die Erbringung einer Leistung des Kindes z.B. in der Schule, sondern darum, dass Konzentrationsprobleme wiederrum zu aggressivem Verhalten oder psychischen Störungen wie Ängste oder Einnässen führen können. Es beschränkt sich also nicht nur auf die Konzentrationsschwierigkeiten, sondern auf das ganze Leben des Kindes.

Was wird in der Ergotherapie behandelt?

insbesondere Maßnahmen zum/zur

  • Verbesserung und Erhalt kognitiver Funktionen wie Konzentration, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis sowie Handlungsplanung und Problemlösung
  • Erlangen der Grundarbeitsfähigkeiten
  • Verbesserung der eigenständigen Lebensführung